2016 im Zeichen der Anderswelten

Das Jahrbuch für das erste Jahr ist erschienen und steht schon bei einigen Freunden und Lesern im Bücherregal. Für das zweite Jahr der FGfP wurde nun ein Thema entwickelt, um welches sich die Beiträge drehen sollen. Dieses Thema lautet – wie man unschwer am Titel erkennen kann – „Anderswelten“. Was ist damit gemeint? Wir verstehen unter Anderswelten Szenarien, die Gegenmodelle und Abweichendes von der irdischen Realität aufgreifen.

Als Beispiel kann eine Illustration der Reiseberichte Marco Polos dienen, in denen der Boucicaut-Meister ein wenig phantastische Würze unter die tatsächlichen Aufzeichnungen Marco Polos mischt. An der Malabarküste (Südwestindien) fügt er drei höchst unwahrscheinliche – und deshalb für uns spannende Zeitgenossen hinzu: Einen Blemmyer (eine Person ohne Kopf, mit dem Gesicht auf dem Oberkörper), einen Skiapoden (eine Person, die einen gewaltiggroßen Fuß beistzt, unter dessen Schatten sie ruhen kann) und einen Einäugigen (einen menschengroßen Quasi-Zyklopen) (1).

Ebenfalls in den Kontext unseres neuen Themas können die Beschreibungen von Atlantis, Lemuria, Mu, den Antipoden, der Hohlwelt, dem Schlaraffenland und aller möglichen Ländereien und Welten gerückt werden, die als Alternativvorstellungen zu unserer Welt existierten. Ob sie als Sinnbilder für eine tiefere Wahrheit gelten sollten (Das Schlaraffenland als Beispiel für den Überdruss der entsteht, wenn jeder Genuss und jeder Trieb sofort befriedigt wird. Die Antipoden als Geistesübung auf der Suche nach neuen physikalischen Erklärungsmodellen), oder ob es lediglich lebhafte und spannende Ideen von Querdenkern waren, ist für uns nicht zu entscheiden. Beide Positionen sollten in diesem Jahr diskutiert werden.

Als letzte Beispiele sollen ein paar Stichworte dienen, um die Vielfältigkeit des Themas zu verdeutlichen:

  • Die Geschichte „Grün ist Leben“ im Lustigen Taschenbuch 122, in der die Protagonisten das Innere eines Eichenblatts erkunden.
  • Vladimir Kushs Gemälde „Departure of the Winged Ship“, in welchem ein stolzer Dreimaster mit Segeln aus Schmetterlingsflügeln dargestellt ist.
  • Ralph Bakshis „Wizards“ von 1977 und die seine Zusammenarbeit mit Frank Frazetta, die zu dem Zeichentrickfilm „Fire and Ice“ von 1983 führte.
  • Die metaphorischen und philosophischen „Sterntagebücher“ Stanislaw Lems: 1957 unter dem polnischen Titel „Dzienniki gwiazdowe“ erschienen und seither in viele verschiedene Sprachen übersetzt und erweitert.
  • Georges Méliès Science-Fiction-Vision „Le Voyage dans la Lune“ von 1902.
  • Die mechanisch-futuristischen Illustrationen rund um den Cyborg „Voivod“ von Michael „Away“ Langevin.

Die Liste ließe sich beliebig weiterführen, doch: Wozu? Die Flensburger Gesellschaft für Phantastik sucht ab heute wieder Schreiber, Denker und Zeichner, die Lust haben etwas zu unserem Thema Anderswelten beizutragen! Leg‘ los und bring was zu Papier!

Auf zum Atom!

Euer Colourful Wilbur

Fußnoten:

(1) Blemmyer, Skiapode, und ein Monoculus, in: Buch von den Wundern der Erde (Reiseberichte von Marco Polo u.a.), Miniatur des Boucicaut-Meisters, 1410-1412, Paris, Bibliothèque Nationale de France, Ms. Fr. 2810, fol. 29 v. Zu diesem Zweck betrachtet in: Eco, U. (2013). Die Geschichte der legendären Länder und Städte. München: Carl Hanser Verlag

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Über colourfulwilbur

Marc interessiert sich für Literatur, Natur und Musik (Thrash Metal, Death Metal, Crustpunk, D-Beat, u.Ä.). Seine Schwerpunkt-Themen sind der Individuum-Allgemeinheit-Gegensatz, die Unbeugsamkeit der Natur und soziale Ungerechtigkeit. Die verehrten Autoren und Autorinnen sind allzu zahlreich. Dennoch sollen Umberto Eco, J.R.R. Tolkien, Stanislaw Lem, Hermann Hesse, Fjodor Dostojewski (vor allem "Schuld und Sühne"), Robert Musil (vor allem "Der Mann ohne Eigenschaften") und George Orwell als besonders geliebte Vertreter genannt werden.
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