Winter’s Tale – Mark Helprin

von: Bartok

I have been to another world, and come back. Listen to me.” (1)

Dieser Satz erscheint noch vor dem Prolog und seine Eindringlichkeit faszinierte mich von Anfang an. Als Leser kann ich mich von der Erregtheit des Sprechers anstecken lassen, eine andere Welt zu sehen. Ob diese nun wirklich eine andere Welt ist, oder die mit phantastischen Elementen geschmückte Buchversion der Stadt New York City, oder das New York City der realen Welt, in der die Stadt für den Autor etwas Magisches besitzt, was er dem Leser aufzeigen möchte.

Winter’s Tale (1983) (dt. Wintermärchen (2)) ist das zweite Buch von Mark Helprin und das Erste das ich von ihm gelesen habe. Die Geschichte spielt zu Beginn und am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts im winterlichen New York City. Hauptcharakter ist der Mechaniker Peter Lake, der als ehemaliges Mitglied der Short Tails Gang dem Stehlen noch immer nicht den Rücken gekehrt hat. So kommt es, dass er eines Tages in das Haus der Familie Penn einbricht, wo er auf Beverly trifft. Sie verlieben sich ineinander, doch Beverly ist todkrank. Es liegt nun an Peter Lake einen Weg zu finden sie aus dem Jenseits zurückzuholen, doch Pearly Soames, Boss der Short Tails, will eben dies verhindern. Und nachdem Peter Lake durch die seltsame Nebelwand durch die Zeit reist führen sie ihren Kampf kurz vor dem Millennium weiter, wenn der Ingenieur Jackson Mead eine Brücke ins Jenseits schlagen will.

Die Geschichte ist in vier Parts aufgeteilt und während Peter Lake im Ersten im Vordergrund steht, werden mit dem Zweiten neue Charaktere eingeführt und der Fokus wechselt zu diesen. Der Fakt, dass Peter Lake eine Zeit lang in den Hintergrund rückt, kann ein Grund sein der Lesern das Gefühl geben kann, nicht mehr dasselbe Buch zu lesen. Es dauert ein paar Kapitel, bis man beginnt zu verstehen, wie diese neuen Charaktere mit der Geschichte von Peter Lake zusammen hängen, doch wenn man sich auf sie einlässt ist der Rest des Buchs nicht weniger hervorragend. So wie die Geschichte zwischen Leichtigkeit und Ernst balanciert, tuen es auch die Charaktere. Themen der Geschichte sind Liebe, Tod und Gerechtigkeit – und natürlich der Kampf zwischen Gut und Böse.

Obwohl die Geschichte in New York City spielt, würde ich sie nicht dem Urban Fantasy Genre zuordnen. Stattdessen finde ich den Titel des Buchs als „Genre“ passender. Während Phantastik durch bekannte Elemente hervorgerufen wird, wie z.B. ein fliegendes Pferd, eine mysteriöse Nebelwand, oder Fähigkeiten die an Magie erinnern, ist es vor allem der durchgehend (und scheinbar mühelos) grandiose Schreibstil und Übertreibungen, die die Phantastik dieses Buchs ausmachen. Stellenweise sind es aber eben diese beiden Dinge, die einige Szenen zwar hübsch zu lesen machen, diese aber keine richtige Funktion zu haben scheinen, außer hübsch zu lesen zu sein.

Die Verfilmung der Buchvorlage kam im Februar 2014 in die Kinos (3). Als Fan des Buchs schätzte ich zwar die Visualisierung, doch weicht der Film in vielen Dingen vom Original ab. Er befasst sich ausschließlich mit der Liebesgeschichte von Peter Lake und Beverly Penn und vernachlässigt so gut wie alle anderen Aspekte oder verändert sie.

Die vorliegende Ausgabe ist die Taschenbuchausgabe, wie sie 2005 im Verlag Mariner Books erschienen ist, und kostet EUR 9,99. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich das Buch auf Englisch kaufen, um die Sprachgewalt wirklich zu erleben. Die deutsche Übersetzung ist zum gleichen Preis erhältlich und wird vom Goldmann Verlag verlegt. Während das Cover der englischen Version ein schwarzweißes Bild der Grand Central Station zeigt, besteht das Cover der deutschen Version aus dem Poster zum Film.

Ich las Winter’s Tale den letzten Winter über und es bekam mühelos mein Lieblingsbuch, doch man werfe nur einen Blick auf die Amazon Kundenrezensionen und sieht, dass sich auch über dieses Buch die Geister scheiden.

Fußnoten

(1) Helprin, Mark (1983). Winter’s Tale. New York: Mariner Books, 2005. Print.

(2) Helprin, Mark (1983). Wintermärchen. Übersetzer. Hartmut Zahn. München: Goldmann Verlag, 2014. Print.

(3) Winter’s Tale. Dir. Akiva Goldsman. Collin Farrell, Jessica Brown Findlay, Russell Crowe. Warner Brothers, 2014.

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Über N.-G.H.

Niels interessiert sich für Literatur, Geschichte und Filme/Serien. Seine Forschungsschwerpunkte sind das "Golden Age of Pulp", Herrschaftssysteme und Mythopoetik. Niels ist Mitglied der Deutschen Lovecraft Gesellschaft.
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