Interstellar

von: Bartok

Passend zum Jahresthema Anderswelten habe ich mir einen Science-Fiction Film angesehen, in dem die Menschheit einen neue Welt finden muss, um zu überleben.

Interstellar (1) ist ein Science-Fiction Film von Regisseur Christopher Nolan aus dem Jahr 2014. Im 21. Jahrhundert steht die Menschheit vor einer schwierigen Aufgabe. Nahrung wird aufgrund von Fäule knapp, Staubstürme verwüsten das Land und wenn nicht bald eine Lösung für diese Probleme gefunden wird, bedeutet dies das Ende der Menschheit. Joseph Cooper, ein ehemaliger NASA-Pilot, lebt mit seinem Schwiegervater, Sohn und seiner Tochter auf einer Farm. Eines Tages findet seine Tochter Murphy aus ihrem Bücherregal herausgefallene Bücher auf dem Boden. Sie glaubt, dass die entstandenen Lücken Morsezeichen sind und ein Geist mit ihr kommuniziert. Nach einem Staubsturm finden sie und Joseph weitere Zeichen auf dem Boden des Schlafzimmers. Es stellt sich heraus, dass die Zeichen Koordinaten sind und so machen sich Joseph und Murphy auf den Weg. Sie finden einen geheimen NASA-Stützpunkt – geheim, denn offiziell existiert die NASA nicht mehr – und werden von Professor Brand empfangen, der mit seinem Team daran arbeitet eine neue bewohnbare Welt zu finden. Nachdem vor 48 Jahren ein Schwarzes Loch in der Nähe von Saturn aufgetaucht ist, wurden Expeditionen ausgesandt, die durch das Wurmloch gereist sind. Drei Welten wurden gefunden, die Potenzial zeigen, nun soll ein weiteres Team diese besuchen. Und es ist Joseph, der das Raumschiff fliegen soll, da Brand denkt, wer auch immer für die Morsezeichen verantwortlich ist, ihn ausgewählt hat.

Die drei Akte des Films zeigen drei unterschiedliche Formen von Science-Fiction. Im ersten Akt befindet sich der Hauptcharakter noch auf der Erde. Er interagiert mit einem hochmodernen Flugzeug, einer Drohne und Erntemaschinen die von Computern gesteuert werden. Alles ist erdgebunden, was außerdem durch die vom Schulsystem für Propaganda gehaltene Mondlandung unterstrichen wird. Der Übergang zum zweiten Akt beginnt mit dem Auftritt des sprechenden Roboters TARS. Die Rakete wird gezeigt und die Existenz des Wurmlochs wird enthüllt. Zum ersten Mal wird der Blick zu den Sternen gerichtet. Im zweiten Akt dann werden die Raumschiffreise und fremde Planeten gezeigt. Da ich das Ende des Films nicht verraten möchte, habe ich nur Folgende Anmerkung: Die Technologie entwickelt sich weiter (wird mehr Sci-Fiy) von Akt zu Akt, was dazu führt, dass diese wie drei unterschiedliche Filme wirken können, doch wie das Wurmloch zwei Galaxien miteinander verbindet, verbindet es auch die drei Akte.

Das Thema des Films scheint zunächst direkt zu sein: das Überleben der Menschheit. Die Crewmitglieder sind Pioniere, die den letzten Frontier bereisen, doch spätestens im zweiten Akt wird klar, dass der Film kein einfaches Space-Abenteuer erzählt. Im Laufe des Films wird offenbart, dass das eigentliche Thema Liebe ist und Science-Fiction genutzt wird, um verschiedene Aspekte dieser zu ergründen. Lässt Liebe uns durch die Zeit reisen (repräsentiert durch die Uhr)? Was ist wichtiger, Spezies oder Individuum (repräsentiert durch Plan A und B)?

Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut, doch sticht niemand heraus. Die Vater-Tochter-Beziehung stellt den Kern des Films und Matthew McConaughey (Joesph Cooper) und Mackenzie Foy (Murphy Cooper) schaffen es die emotionale Bindung ihrer Charaktere zueinander so darzustellen, dass das Publikum mitfühlt, sei dies durch heitere Momente, wie wenn Murph sich im Auto versteckt oder traurige, wie wenn Cooper sich verabschiedet. Zuweilen sind es aber die zwei Rollen, die McConaughey spielt, Vater und Astronaut, die einander im Weg stehen. Die zweite Vater-Tochter-Beziehung zwischen Anne Hathaway (Dr. Amelia Brand) und Michael Caine (Professor Brand) auf der anderen Seite kommt ganz ohne Emotionen aus und scheint auf einer rein professionellen Ebene zu bestehen. Caine spielt den weisen alten Mann. Hathaways Charakter wird von ihrer Arbeit und der Liebe zu einem Astronauten getrieben und obwohl sie beides herüberbringt, kann der abrupte Wandel als störend empfunden werden.

Der Score von Hans Zimmer ist episch und von Orgelklängen geprägt, auch lenkt er nie vom Geschehen ab, sondern komplementiert Kameraführung und Mise-en-Scène, wie z.B. in der Szene, in der sich das Shuttle an die Drehung des Raumschiffs anpasst und die Melodie sich an diesen Tanz, doch ist es vor allem der Mix von Musik und Stille, der den Film auch zum Erlebnis fürs Ohr macht.

Die Effekte sind spektakulär, sei es die Darstellung der Reise durch das Wurmloch oder Naturgewalten auf fremden Planeten.

Die Atmosphäre wird auch durch die Wahl der Farben kreiert. So sind diese auf der Erde vor allem warm bis trockene Braun-, Grau- und Gelbtöne, im Raumschiff und auf den Planeten aber kühle Weiß- und Blautöne.

Der Film hat seine Stärken und Schwächen und obwohl ich ihn als sehenswert erachte, kann ich verschiedene Argumente von Reviews die mehr negativ ausgefallen sind nachvollziehen, da ich vor allem die Lösung des Rätsels, wer für die Morsezeichen verantwortlich ist, als unzufrieden stellend empfinde.

Fußnoten

(1) Interstellar. Dir. Christopher Nolan. Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Michael Caine. Paramount Pictures, 2014.

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Über colourfulwilbur

Marc interessiert sich für Literatur, Natur und Musik (Thrash Metal, Death Metal, Crustpunk, D-Beat, u.Ä.). Seine Schwerpunkt-Themen sind der Individuum-Allgemeinheit-Gegensatz, die Unbeugsamkeit der Natur und soziale Ungerechtigkeit. Die verehrten Autoren und Autorinnen sind allzu zahlreich. Dennoch sollen Umberto Eco, J.R.R. Tolkien, Stanislaw Lem, Hermann Hesse, Fjodor Dostojewski (vor allem "Schuld und Sühne"), Robert Musil (vor allem "Der Mann ohne Eigenschaften") und George Orwell als besonders geliebte Vertreter genannt werden.
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