Rogue One – A Star Wars Story

von: Bartoc

Rogue One (2016) (1) von Regisseur Gareth Edwards ist der erste Anthologie-Film im Star Wars-Universum. Hauptcharakter ist die junge Frau Jyn Erso, deren Vater Galen Erso vom Imperium dazu gezwungen wurde den ersten Todesstern zu bauen. Als sie noch ein Kind war, überließ ihr Vater Jyn deshalb in der Obhut von Saw Gerrera (bekannt aus Star Wars: The Clone Wars), der eine Zeit lang zu den Rebellen gehörte. Seine drastischen Taten sorgten jedoch dafür, dass er verstoßen wurde. Auch Jyns und Gerreras Wege haben sich getrennt und wir treffen die erwachsene Jyn das erste Mal in einer Zelle an. Weshalb sie weggesperrt wurde wird nicht geklärt, doch während eines Gefangenentransports wird sie von den Rebellen befreit und nach Yavin 4 gebracht. Die Rebellion will mit Jyns Hilfe mit Gerrera in Kontakt treten, da dieser einen desertierten imperialen Pilot gefangen hält, der von Galen Erso gesandt wurde, welcher der Rebellion helfen will an die Pläne des Todessterns zu gelangen. Jyn erklärt sich bereit und zusammen mit Cassian und seinem Droiden K-2SO macht sie sich auf den Weg und findet weitere Gefährten, die ihnen im Kampf gegen das Imperium helfen werden.

Während die Originaltrilogie und Episode 7 trotz einiger düsterer Momente im Großen und Ganzen von Positivität geprägt sind, ist die Atmosphäre von Rogue One eine andere. Er ist mehr Kriegsfilm, als die anderen es jemals waren und die Bodenschlacht erinnert an etwas aus HBOs The Pacific. Er ist brutaler (die Imperialen Soldaten sind zielsicher), große Themen sind Aufopferung und das übergeordnete Wohl, und er zeigt die Auswirkungen des Kriegs auf die Soldaten. Interessant zu sehen sind die inneren Konflikte in den Reihen der Rebellen sowie in den Reihen des Imperiums. Die düstere Atmosphäre ist zu großen Teilen der Wahl des Lichts zu verdanken und ich möchte einen besonders gelungenen Streich näher beleuchten. Aus den Trailern ist bereits bekannt, dass Darth Vader in Rogue One ist. Das erste Mal sehen wir ihn in all seiner Pracht mit goldenem Licht hinter ihm. Vader ist einer der beliebtesten Charaktere des Star Wars-Universums, obwohl er ein Schurke ist. Man könnte meinen, dass die Fans über seine Gräueltaten hinwegsehen. Doch das letzte Mal sehen wir Vader im roten Schein seines Lichtschwerts und der Zuschauer wird daran erinnert, dass der Mann in schwarz ein Monster ist.

Verschiedene Charaktere aus der Originaltrilogie wie auch aus den Prequels haben Cameo-Auftritte. Um nichts zu spoilern möchte ich nur so viel sagen: Zwei Charaktere wurden mit CGI-Masken in den Film eingefügt, da die Schauspieler nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies funktioniert mal besser mal schlechter. Vielleicht hätten neue Schauspieler, die so ähnlich aussehen wie die Alten, „echter“ gewirkt, wie im Fall Mon Mothma. Außerdem, C-3PO und R2 D2, die einzigen Charaktere, die bisher in jedem Star Wars Film waren, tauchen auch in Rogue One auf, doch sind es der Zeitpunkt und die Banalität von C-3POs Worten, die den Auftritt der beiden Droiden unnötig und störend machen.

Eine Bereicherung hingegen ist der Droide K-2 (Alan Tudyk), der durch seine witzigen Kommentare ein hervorragender Comic Relief ist. Man erinnere sich nur an den aus einem der Trailer bekannten Moment, in dem Jyn einen Droiden erschießt, der aussieht wie K-2 und dessen darauffolgende Frage, ob sie gewusst hatte, dass es nicht er gewesen ist. Neben Jyn (Felicity Jones), Cassian (Diego Luna) und K-2 ist es vor allem Chirrut Imwe (Donnie Yen), der durch seinen Glauben an die Macht und die Kampfchoreographien heraussticht. Baze Malbus (Jiang Wen) und Bodhi Rook (Riz Ahmed), ebenfalls Mitglieder des Teams fallen nicht besonders auf, da wir weder die Geschichte von Bazes und Chirruts Freundschaft noch Bodhis und Galens Vergangenheit kennen und ihre Charaktere ohne die Beziehung zu anderen zu flach sind. Auf Seiten des Imperiums ist natürlich Krennic (Ben Mendelsohn) zu erwähnen. Krennics Präsenz erinnert an Tarkin, was die Autorität die er ausstrahlt und den Schrecken den er verkörpert betrifft, doch ist er auf keinen Fall als Tarkin-Ersatz gedacht. Der Grand Moff ist gefühllos und selbstsicher, wo Krennic wütend und überfordert ist. Am deutlichsten zeigt sich dieser Unterschied, wenn man die Gespräche zwischen Vader und Tarkin, und Vader und Krennic miteinander vergleicht.

Leider fehlten verschiedene, aus den Trailern bekannte, Shots aufgrund von Reshoots (2). Da wäre z. B. jener in dem Jyn Erso auf das Ende eines Laufstegs zuläuft und plötzlich ein TIE-Fighter auftaucht. Ein Moment des Schreckens, hervorgerufen durch den Größenunterschied und die vermeintliche Aussichtslosigkeit dem Raumschiff zu entkommen. Im Film sieht man diese Szene ohne den TIE-Fighter. Während das Fehlen dieses Shots keine schwerwiegende Veränderung der Geschehnisse darzustellen scheint, hat das Fehlen eines anderen eine umso gravierendere Wirkung, zum Schlechten hin. Ich spreche hier von der Szene, in der Mitglieder des Rats der Rebellen Jyn Erso von der Mission erzählen, auf die sie und Cassian gesandt werden. Der Shot in dieser Szene ist charakterdefinierend für Jyn. Was sie sagt, wie sie es sagt, ihre Körperhaltung, Felicity Jones Performance kreieren einen Eindruck, der beeinflusst, wie der Zuschauer diesen Charakter für den Rest des Films sieht. Glücklicherweise gibt es andere Shots, die es in den Film geschafft haben, wie z. B. der in dem die erwachsene Jyn zu ihrem Vater Papa sagt (nicht Vater oder Dad, dies fällt besonders im englischen Original auf), was zeigt, dass das kleine Mädchen, welches ihren Papa verloren hat, noch immer in ihr steckt.

Gelungen ist die Raumschlacht, nach der sich die Fans gesehnt haben und die mit spektakulären Effekten und Cameo-Auftritten beliebter Piloten aufwartet. Außerdem macht die Art, wie der Todesstern eingesetzt wird, diesen wieder interessant, denn diesmal zerstört er keinen Planeten, oder wie im Fall der Starkiller Base aus Episode 7 eine Reihe von Planeten. Das Pacing des Films ist schnell, vor allem in der ersten Hälfte, da die Charaktere von Planet zu Planet reisen, was etwas gehetzt wirkt. Sich Rogue One in 3D anzuschauen ist herausgeschmissenes Geld, da es mal wieder keine Momente gibt, in denen der Film davon profitiert, weder während der Raumschlacht noch sonst irgendwo.

Fazit: Ein Muss für Star Wars Fans und eine Überlegung wert für jene die nie etwas mit Jedis dafür aber mit Science Fiction anfangen konnten.

Fußnoten:

(1) Rouge One – A Star Wars Story. Dir. Gareth Edwards. Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn. Lucasfilm, 2016.

(2) Sean Hutchinson. “17 Trailer Scenes That Aren’t Actually in ‘Rogue One’.” inverse, 15 Dec. 2016, http://www.inverse.com/article/25246-rogue-one-trailer-scenes-missing-from-final-film-star-wars. Accessed 24 Dec. 2016.

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Über N.-G.H.

Niels interessiert sich für Literatur, Geschichte und Filme/Serien. Seine Forschungsschwerpunkte sind das "Golden Age of Pulp", Herrschaftssysteme und Mythopoetik. Niels ist Mitglied der Deutschen Lovecraft Gesellschaft.
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