2017 – Mehr als der Mensch

Es ist uns Menschen nicht unbekannt, dass selbst einige unserer liebsten Zeitgenossen unsere Art für höchst privilegiert halten. Der Mensch sei allen anderen Lebewesen überlegen. Zu diesem Zwecke werden häufig die Höhlenmalereien von El-Castillo, Altamira oder Lascaux ins Feld geführt. Der Mensch habe sich durch seine ‚kulturschaffende‘ Tätigkeit über die übrige Tierwelt erhoben. Auch religiöse Aspekte fließen mit Sicherheit in unser menschliches Selbstbild mit ein. Sagte nicht Gott selbst, wir Menschen sollen die Pflanzen für uns nutzen und über alle Tiere erhaben sein und sie beherrschen (1. Mose 1, 28-29)? Ja, wir Menschen sind schon etwas Besonderes… Unsere Macht ist nicht anzuzweifeln. Von vollkommener Schönheit unserer großen Kunstwerke bis zu der unüberwindlichen Zerstörungskraft von der nur die Kerzenbäume erzählen. All dies kulminiert in unserer maßlosen Selbstanbetung.

In der Tat verbringt der Mensch einen nicht geringen Teil seines Lebens damit, sich zu fragen, wie er oder sie noch besser sein könne. Physisch schlägt sich dies in der breiten Diskussion zu Körperbildern und Fitnessfragen, aber auch im Streben nach Rekorden, wie etwa dem Skydiving-Rekord des US-Amerikaners Luke Aikens, nieder. Die Grenzen unseres Daseins werden täglich ausgetestet. Unsere Seele wird indes nicht ausgeklammert. Nach der Wellness-Euphorie legte die Branche schnell mit den Konzepten Mindness und Selfness nach, inklusive Heilsversprechen. Und auch Du, geneigter Leser, versuchst sicher täglich etwas netter zu deinen Arbeitskollegen zu sein, etwas weniger Schokolade vor dem Fernseher zu naschen, oder dir mehr Zeit für deine Liebsten zu nehmen. Das Schlimmste, was wir uns heute an den Kopf werfen können ist: „Du lässt dich gehen!“ oder „Du machst nichts aus dir!“. Und wie groß ist unser Respekt vor denen, die erfolgreich etwas besser – etwas mehr – werden: … okay, ich fang jetzt mal nicht mit Gandhi und Sophie Scholl an. Ich denke hier findet jeder ein für sich passendes Beispiel.

In der Literatur faszinieren uns, aus eben diesen Gründen, die Charaktere, die aus unserer Perspektive unerreichbar sind. Jene, die die Grenzen des menschlichen und des Menschseins sprengen: jene Grenouilles, Peter Parkers, jene Midnight’s Children. Aber nicht nur Menschen sind in dieser Hinsicht aufregend. Auch alle Wesen, die dem Menschen mehr oder weniger bekannt sind, die ‚übermenschliche‘ Eigenheiten und Merkmale umfassen: die mannigfaltigen Aliens, die unerkannt unter uns leben. Taucht in diesem Jahr mit uns in die Welt der Superhelden und Auserwählten ein! Das Jahresthema „Mehr als der Mensch“ soll euch wie immer zum Lesen, Philosophieren und Lachen anregen und wie immer freuen wir uns über alle, die sich mit einem Essay, einer Kurzgeschichte oder einer Rezension an unserer Arbeit beteiligen wollen.

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Über colourfulwilbur

Marc interessiert sich für Literatur, Natur und Musik (Thrash Metal, Death Metal, Crustpunk, D-Beat, u.Ä.). Seine Schwerpunkt-Themen sind der Individuum-Allgemeinheit-Gegensatz, die Unbeugsamkeit der Natur und soziale Ungerechtigkeit. Die verehrten Autoren und Autorinnen sind allzu zahlreich. Dennoch sollen Umberto Eco, J.R.R. Tolkien, Stanislaw Lem, Hermann Hesse, Fjodor Dostojewski (vor allem "Schuld und Sühne"), Robert Musil (vor allem "Der Mann ohne Eigenschaften") und George Orwell als besonders geliebte Vertreter genannt werden.
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