Die Prophezeiung von Leben und Tod

von: Bartok

Es steht geschrieben, dass es eine letzte Schlacht geben wird. Am Ende der Welt, am Ende der Zeit wie wir sie kennen. Nicht Gut und Böse werden gegeneinander kämpfen aber Mensch gegen Mensch. Am Rand des Abyssus werden die Armeen der Alten Nationen aufeinander prallen. Ein Sturm wird heraufziehen, ein Sturm von Donner und schmetternden Schilden, von klirrenden Klingen und rasselnden Säbeln. Pfeilhagel werden den Himmel verdunkeln. Das Prasseln des Regens auf den schimmernden Rüstungen der Krieger wird wie das Schlagen ihrer Kriegstrommeln sein. Niemals zuvor wird eine Melodie wie diese erklungen sein. Das Blut Tausender wird die Äcker der Bauern tränken und die Flüsse rot färben. Ihre Schreie werden zum Himmel hinauf hallen, erfüllt von Furcht und Schmerz.

Barden werden ihre Stimmen erheben, um die Herzen ihrer Kameraden zu stählern. Doch ihre eigenen Herzen werden bangen und ihre Stimmen zittern. Die Augen der Bogen- und Armbrustschützen werden auf sie fallen und ihre Pfeile und Bolzen die Kehlen der Barden durchbohren, deren letzten Worte in ihnen ersticken werden.

Der Boden wird erschüttern und sich öffnen und ein Flammenmeer wird hervorspringen. Der heulende Wind wird Bäume der Erde entreißen. Die Berge werden erzittern und ihre Wurzeln sie nicht halten können. Flüsse werden über ihre Ufer treten und die Naturgewalten werden herrschen. Eine finstere Nacht wird heraufziehen.

Es wird hier sein, wo die Helden der Menschen ihr Ende finden. Unter den Gefallenen werden Könige sein, noble Männer, Ritter und Schildmaiden. Keine Sagen werden über ihre Taten geschrieben werden, keine Klagelieder. Niemand wird je von ihnen erfahren, von ihren ruhmreichen Taten, denn ihre Leichen werden verloren gehen, einige unter vielen, und niemand wird übrig sein. Ihre Kronen und Helme werden Kerben und Einbeulungen haben.

Zwischen all dem Chaos aber werden die Liebenden wandeln. Vita wird ein gleißendes Kleid aus weißem Licht tragen und ihr gelocktes Haar wird golden schimmern, wie der Himmel zur Zeit der Morgendämmerung. Mors aber wird in schwarz gekleidet sein, seine Haut grau wie Asche und seine Augen werden rot glühen. Kein Schwert wird Vitas zarte Haut schneiden, kein Speer Mors‘ Vormarsch aufhalten. Mit jedem Schritt wird sie ihre Hände auf die Schultern der Krieger legen und ihre Kraft, wie göttliches Licht, wird auf diese übergehen und ihre Wunden schließen. Verehrend und ehrfürchtig werden sie zu ihr hinaufblicken. Er aber wird den Kriegern seine Hand auflegen und ihre Seelen werden brennen.

Oh ihr Götter, wer wird eure Menschenkinder erretten? Sie rufen nach euch. Oh ihr Götter, wer wird euch erretten, wenn sie es nicht mehr tun? Eure Altäre werden nicht länger heilig sein und euch werden keine Opfer mehr gebracht. Kein Blut mehr in euren Namen vergossen. Wohin werdet ihr fliehen?

Sterne werden vom Himmel fallen und ihre feurigen Schweife die Nacht ein letztes Mal erhellen. Wo sie einschlagen wird nichts als Krater übrigbleiben. Städte und Brücken, Schiffe und Monumente werden von ihnen vernichtet. Der Klang silberner Trompeten wird in den Tälern schallen. Was einst war, wird wieder sein und was niemals war, wird endlich sein. Die Himmel werden aufbrechen und die Tore der Hölle aus ihren Angeln gehoben.

Und dort auf dem Schlachtfeld der Apokalypse werden sich Leben und Tod treffen. Sie werden einander innig in die Arme schließen und dann… Dann werden sie sich küssen.

Und die Untoten werden sich erheben.

 

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Über colourfulwilbur

Marc interessiert sich für Literatur, Natur und Musik (Thrash Metal, Death Metal, Crustpunk, D-Beat, u.Ä.). Seine Schwerpunkt-Themen sind der Individuum-Allgemeinheit-Gegensatz, die Unbeugsamkeit der Natur und soziale Ungerechtigkeit. Die verehrten Autoren und Autorinnen sind allzu zahlreich. Dennoch sollen Umberto Eco, J.R.R. Tolkien, Stanislaw Lem, Hermann Hesse, Fjodor Dostojewski (vor allem "Schuld und Sühne"), Robert Musil (vor allem "Der Mann ohne Eigenschaften") und George Orwell als besonders geliebte Vertreter genannt werden.
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